Adlerholz

Mein Interesse für Adlerholz & japanische Räucherstäbchen begann Anfang der neunziger Jahre mit einem kleinen Fläschchen unbekannten Inhalts. Ich hatte vor kurzem meinen ersten Laden eröffnet. Das anfängliche Sortiment umfasste  ätherische Öle und das bisschen Räucherwerk, das damals in Deutschland zu kaufen war. Zu dieser Zeit boomten gerade die Öle, Aromatherapie war ein großes Thema geworden. Räucherstäbchen oder gar purer Weihrauch wurden selten verlangt, an den einen haftete noch das siebziger Jahre „Hippie“ Image, am anderen hing für viele, der verstaubte Mief der Kirche.

Eines Tages besuchte mich mein Freund Walter um sich meinen Laden anzusehen. Er hatte ein Geschenk dabei, das mein Leben verändern sollte.

Walter verkaufte damals Autos nach Dubai und nachdem die Geschäfte für alle Beteiligten erfolgreich waren, schenkte ihm einer der Geschäftspartner dieses Fläschchen.  Da er selbst nichts damit anzufangen wusste, bekam ich es.

Beim öffnen stieg mir ein unbeschreiblicher Duft in die Nase, der mich nie mehr loslassen sollte. Mein Geruchssinn war im erkennen von Düften durch die Arbeit mit ätherischen Ölen einigermaßen geschult, doch was sich hier seinen Weg ins Gehirn bahnte war meinem olfaktorischem Gedächtnis gänzlich unbekannt. Eine Flut von Aromen überschwemmte mich, Anfangs süß wie reife Früchte, im zweiten Angeruch süß-sauer wie gegrillte Paprika, dann wieder balsamisch-warm mit einem würzig-holzigem Unterton. Es gelang mir nicht die unterschiedlichen Aspekte dieses Geruches zuzuordnen und somit blieb die Herkunft dieses komplexen Duftes für mich ein Geheimnis.

Es wurde erst Monate später, ich war noch keinen Schritt weiter, durch einen Zufall gelüftet.

Ein Pärchen war im Laden. Mubarak, orientalisch gekleidet und Manuela, wie sich herausstellen sollte, schnupperten sich im Laden durch mein Sortiment. Er entdeckte das kleine Fläschchen auf dem Arbeitstisch, auf dem ich, wenn nichts los war an meinen Mischungen aus ätherischen Ölen experimentierte. Sein Gesicht wurde plötzlich freundlicher und mit einem breiten Grinsen sagte er: Oh, this is a really good scent!

Mir lief es gleichzeitig heiß und kalt den Rücken runter, ich war wie elektrisiert. War dieser Araber, durch eine Fügung des Schicksals in meinen kleinen Laden geführt, des Rätsels Lösung? Einige Kaffee und Tees später wusste ich, ja, er war es.

Die Fragen, die mich schon Monate beschäftigten, sprudelten aus mir, wie aus einem Gebirgsbach während der Schneeschmelze. Ohne Luft zu holen überrollte ich Mubarak damit. Was ist das? Woher kommt es? Wie wird es hergestellt? Wo kann ich es kaufen?

Mubarak, dem meine freudige Erregung nicht verborgen blieb, beantwortete geduldig all meine Fragen. Der geheimnisvolle Inhalt des Fläschchens war das zähflüssige Destillat von einem äußerst seltenen Holz. Oud, auch Ud oder Gaharu genannt, bei uns unter dem Namen Adlerholz bekannt. In den arabischen Ländern ein sehr begehrter, exklusiver Duft.

Da mich die Fügung an diesem Tag wohl besonders mochte, bekam ich noch eine unglaubliche Zugabe. Mubarak wusste woher mein Fläschchen stammte, vom King of Gaharu, einem Parfüm- und Adlerholzhändler aus Dubai, wo er als Soldat stationiert war und in dessen Geschäft er die Mitbringsel für Manuela besorgte. Er versprach mir den Kontakt herzustellen und so dauerte es nur einige Monate, bis ich meine erste Lieferung des kostbaren Holzes in Händen hielt. Nachdem ich in Abwesenheit  jeglicher Vernunft alles verkaufte was ich irgendwie zu Geld machen konnte und sämtliche Familienmitglieder zum wiederholten Male für eine meiner verrückten Ideen erfolgreich anpumpte, war es nun endlich soweit. Ich erhielt für den Gegenwert meines Hab und Gutes je 50 Gramm bestes Adlerholz aus Kambodscha, Vietnam und Malaysia.

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Bild: Adlerholz aus Indien, Malaysia und Kambodscha

Bis die Lieferung eintraf nutzte ich die Zeit, zum einen um den King of Gaharu mit meinen zahllosen Fragen per Fax zu quälen, zum anderen versuchte ich in der Literatur etwas über Adlerholz in Erfahrung zu bringen.

Bei meinen Recherchen stieß ich in diesem Zusammenhang immer wieder auf Japan. Ich erkannte, dass Adlerholz, dort Jinkoh – sinkendes Holz genannt, elementar in der Duft - Kultur Japans verwurzelt ist.

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Bild: Kyara, die höchste Qualitätsstufe von Adlerholz.

Ich machte mich auf die Suche nach japanischen Firmen die Räucherwerk vertreiben und landete schließlich bei der Firma Shoyeido in Kyoto.  Diese, weit über Japan hinaus bekannte Firma, beliefert in mittlerweile zwölfter Generation den Kaiserhof Japans mit erlesenem Räucherwerk.

Da ich schon nach kürzester Zeit, entgegen aller Prognosen, meinen „Adlerholz-Schatz“ gewinnbringend verkaufen konnte, nutzte ich, von abermaligen Unkenrufen meiner Familie begleitet, die Gelegenheit für mein nächstes unternehmerisches Abenteuer. Dem Import japanischer Räucherstäbchen. Das Kopfschütteln und die Einwände meines Umfeldes konnte ich nachvollziehen, denn was war von jemanden zu halten, der sich für den Gegenwert eines Kleinwagens ein paar Päckchen Räucherstäbchen ins Regal legt?

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Aber ich spürte, die Zeit ist reif. Rückblickend bin ich dankbar, dass meine Neugier und der Drang, sich mit diesem wohlriechenden Thema zu beschäftigen, mein Leben ungemein bereichert haben.

Ich hoffe in Zukunft auch das Ihre.

Franz X.J. Huber

 

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